Okt 17

Wer aus Eitelkeit keine Brille tragen möchte oder keine Kontaktlinsen verträgt und eine vierstellige Euro-Summe erübrigen kann, der entscheidet sich, besonders bei Kurzsichtigkeit, für die refraktive Chirurgie. Also für einen Laser-Eingriff, bei dem durch Abtragen von Gewebe die Krümmung der Hornhaut modifiziert wird, um Sehfehler zu beheben.
Hier gibt es zwei unterschiedliche Methoden, die beide noch keine zwanzig Jahre alt sind: LASIK und LASEK. Beide sind sie Verfahren der laserassistierten Keratomileusis, zu Deutsch: des Entfernens von Hornhautgewebe mit einem Laserstrahl. Das „i“ in LASIK bedeutet „in situ“, das „e“ in LASEK steht für „sub-epithetial“. Bei der LASIK-Methode wird – mit Hilfe einer winzigen Klinge oder neuerdings mit einem Laser – ein sogenannter Flap, ein kreisförmiger, etwa pfenniggroßer Gewebelappen geschnitten. Der Kreis wird nicht ganz vollendet, so dass ein Stück Gewebe als Scharnier übrig bleibt. Der Flap kann dann aufgeklappt werden wie der „angeschnittene“ Deckel einer Konservenbüchse. Nachdem im Innern des Hornhautgewebes, eben in situ, mit dem Laser nach genauen computergestützten Berechnungen Gewebe entfernt wurde, wird der Flap wieder zugeklappt.

Das subepithetiale LASEK-Verfahren kommt ohne einen solchen Einschnitt aus. Es wird direkt unter der zur Seite geschobenen Epithel an der Oberfläche der Hornhaut Gewebe entfernt. Diese Methode ist jünger als LASIK, und lange Zeit galt es als allzu riskant, direkt im Bereich der optischen Zone der Hornhaut umherzuschneiden. Das Verfahren bietet sich an, wenn die Hornhaut eines Patienten zu dünn ist, um einen Flap zu schneiden. Während LASIK nach wie vor die Standardmethode der refraktiven Chirurgie ist, schwören einige Ärzte auf LASEK. Denn der Schnitt in die Hornhaut ist ein gravierender Eingriff, bei dem die Gefahr von Entzündungen besteht, die sich dauerhaft verheerend auf die Sehkraft auswirken können. Zudem sind die Langzeitrisiken des Verfahrens noch gar nicht bekannt, wird es doch erst seit fünfzehn Jahren praktiziert. Ein Blick auf das Betroffenenforum der amerikanischen Website surgicaleyes.com genügt, um sich ein Bild von auftretenden Komplikationen zu machen. Unter den Überschriften zum Thema LASIK finden sich Klagerufe wie: Der schlimmste Fehler meines Lebens, Mein Fenster zur Welt ruiniert, Big Mistake, Disappointment.

Ist LASEK nun der schonendere, risikoärmere Eingriff? Manche Ärzte argumentieren so, aber auch das weitflächige Abtragen von Gewebe von der Hornhautoberfläche ist nicht unproblematisch. Hier kommt aber auch ein kommerzieller Aspekt hinzu, der nicht unterschätzt werden darf, da es sich ja bei beiden Eingriffen um eine Art Schönheitsoperation handelt. Die zahlende Klientel erwartet einen reibungslosen und möglichst schmerzfreien Heilungsprozess. Dieser ist aber beim LASEK-Eingriff deutlich langwieriger als bei LASIK, was mit der größeren Wundfläche und dem direkten Bearbeiten der optischen Hornhautzone zusammenhängt. Das Fremdkörpergefühl ist stärker, und die Wiedererlangung der Sehkraft kann sich über Wochen hinziehen. Daher ist LASEK, selbst wenn es sich als ungefährlicher herausstellen sollte, die unpopulärere, schlechter verkäufliche Methode. Eine genaue Einschätzung der Risiken und Chancen beider Verfahren wird wohl erst in einigen Jahren oder Jahrzehnten möglich sein.